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Dem Onnophris – LHG – hat er die Unterwelt überwiesen, um dem Herzensmüden (d.h. dem Osiris) den Nordwind zuzuführen (wörtl.: zu geben), (um) die Herzen der Seufzenden (zu) beruhigen, (um) die Sonne an den östlichen Horizont(berg)en des Himmels aufgehen und sie an den westlichen Horizont(berg)en des Himmels untergehen (zu) lassen, (und) um den Mond an den südlichen Himmel zu setzen,

Kommentare
  • sḥtp jb.w n jhꜣm.w: Die Parallele pTurin CGT 54053, Fragment Cat. 1964, Zeile 4 hat sḥtp jb.w=sn jhꜣm.w: „(um) ihre seufzenden Herzen zu beruhigen“ (Roccati, Magica Taurinensia, 42 und 117.139); und pTurin CGT 54054, Fragment Cat. 2107/404g, Zeile 7 schreibt: [sḥt]pj (?) mit Falke auf Standarte jb.w=sn [---]: „der (göttliche) Beruhiger (???) ihrer Herzen“ (???) (Roccati, ebd., 58 und 117.139). Auf pTurin CGT 54053 sind vor sḥtp an der Abbruchkante des Papyrus noch deutlich Pluralstriche zu erkennen. Möglicherweise ist in dieser Version der Nordwind nicht dem Herzensmüden, sondern einer Personengruppe zugeführt worden – ob vielleicht die wrḏ.w: „die Müden“ (Wb 1, 338.8) gestanden hat, wenn man von einer möglichst geringen Abweichung ausgehen will? Oder gehören die Pluralstriche ans Ende des Kompositums wrḏ.w-jb: „die Herzensmüden“? In jedem Fall dürfte sich das =sn dieser Version auf diese Personengruppe bezogen haben, und das dürfte wohl auch den Plural jb.w der Version pTurin CGT 54050 erklären.

    {jr.t} 〈ḏi̯.t〉: Emendation nach pTurin CGT 54053, Fragment Cat. 1964, Zeile 4 (Roccati, Magica Taurinensia, 42 und 117.140). Anscheinend hat der Schreiber den hieratischen Arm mit Brot zum hieratischen Auge verlesen und dann die vermeintlich fehlenden Zeichen Strich und Fleischklassifikator ergänzt. Jedenfalls ist es nicht möglich, der Stelle unemendiert einen Sinn abzugewinnen.

    sḥtp und ḏi̯.t: Der syntaktische Anschluss ist unklar. Die hier gewählte Analyse als Infinitive parallel zu dem ersten ḏi̯.t würde das Fehlen eines Subjekts und die Form des zweiten, hier nur ergänzten, aber auf pTurin CGT 54053 eindeutig mit t geschriebenen ḏi̯.t erklären. Die Alternative wäre, hierin Partizipien zu verstehen: „der die Herzen ... beruhigt und der ... aufgehen lässt“. Satzsyntaktisch müsste man sie dann parallel an das noch weiter zurückliegende mntf anhängen und sie parallel zu Ḏḥw.tj-wr stellen, oder parallel zu zꜣ-Rꜥ ḥr s.t Tm. Dies wäre insofern befriedigender als die erste Lösung, weil dort evtl. vor jedem Infinitiv auch die Präposition r zu erwarten ist; und zur Form ḏi̯.t vgl. Winand, Études de néo-égyptien, § 566 (allerdings nur für perfektivisches Partizip). Andererseits würde diese Interpretation eine komplexe Satzstruktur voraussetzen; und inhaltlich passen die beiden Phrasen gut zur vorigen: (Der mit) Thot (Identifizierte) übergibt Osiris die Unterwelt, führt ihm (Var.: den Verstorbenen?) den Nordwind, d.h. Atemluft, zu, beruhigt ihre Herzen, und am Ende der Nacht lässt er die Sonne am Himmel aufgehen.

    Autor:in des Kommentars: Lutz Popko (Datensatz erstellt: 27.09.2018, letzte Revision: 18.01.2019)

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Lutz Popko, unter Mitarbeit von Peter Dils, Altägyptisches Wörterbuch, Anja Weber, Daniel A. Werning, Token ID IBgCY6nwFEaaS0viiHGQNUbrP4c <https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/token/IBgCY6nwFEaaS0viiHGQNUbrP4c>, in: Thesaurus Linguae Aegyptiae, Korpus-Ausgabe 19, Web-App-Version 2.2.1.1, 6.3.2025, hrsg. von Tonio Sebastian Richter & Daniel A. Werning im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Hans-Werner Fischer-Elfert & Peter Dils im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (Zugriff am: 6.4.2025)
(Kurzzitation)
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